Ortsgruppe Friedrichshafen
Seewald, Foto BUND FN, J.Czerny

Wald hat viele Aspekte - Artenvielfalt, Holz, Erholung, Klimaschutz, Wasserspeicher, Anpassung an den Klimawandel, ...

Auch wie Waldbesitzer - private wie Behörden - mit dem Wald umgehen, ist sehr unterschiedlich.

Auf dieser Website werden wir vor allem über Wald in und um Friedrichshafen berichten.

Infos zum Thema Wald allgemein finden Sie hier: www.bund-bawue.de/themen/natur-landwirtschaft/wald/

Foto: BUND FN, B.W.

Seewald

Bei den Bürger*innen steht der Wald hoch im Kurs, das konnte man 2018-2020 am Beispiel Seewald sehen. Durch Bürger-Engagement konnte eine Teilrodung verhindert werden.

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 (Südkurier, 29.4.2021)

Stadtförsterin

Auch ein Teil der Stadtverwaltung möchte mehr Unterstützung für den städtischen Wald: 2020 wurde Karin Beer als Stadtförsterin eingestellt:  https://wochenblatt-online.de/friedrichshafen-hat-eine-neue-stadtfoersterin/ 

Ende April 2021 wurden im Seewald in einigen Bereichen Rückepferde eingesetzt, die den Waldboden nicht so verdichten wie große Holz-Ernte-Maschinen.
Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 28.4.2021Artikel als PDF
Artikel im Südkurier vom 29.4.2021  ,  Artikel als PDF


Ausgehöhltes Wäldchen im Fallenbrunnen 24.12.2020, Foto BUND FN, B.W.

Holzerei im Fallenbrunnen, Dezember 2020

Mitte Dezember entdeckten wir, dass im Fallenbrunnen zwischen ZU und DHBW in einem Wäldchen viele Bäume gefällt worden waren. Auf unsere Nachfrage bei den noch anwesenden Arbeitern des Forstunternehmens Gruber hieß es, die Eschen seien morsch und deshalb gefährlich gewesen und es sei mit der Stadt abgesprochen. Aber weder die zuständige Umweltabteilung noch die Stadtförsterin wussten von den Arbeiten.

Nach einigen Tagen war das volle Ausmaß der Schäden im Wäldchen sichtbar:
- Es sind Bäume gefällt worden, die nur hätten eingekürzt werden sollen.
- Mindestens ein Baum mit Spechthöhle ("Habitatbaum") fehlt.
- Durch die Fällarbeiten wurden weitere Bäume (Kirsche, Hainbuche, Erle) umgedrückt, die dann auch auf den Holzstapel wanderten.
- Durch die großen Maschinen, die die Stämme rauszogen, ist auch der Jungaufwuchs plattgewalzt.
- In den Fahrspuren steht auch Anfang Februar noch Wasser, d.h. der Boden ist hier verdichtet und geschädigt.

Das Ergebnis ist ein weitgehend ausgehöhltes Wäldchen. Die noch stehenden Bäume am Rand sind bei jedem Sturm in Gefahr, weil ihnen jetzt der Schutz der anderen Bäume fehlt.

Der BUND Friedrichshafen schickte eine Umweltmeldung an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt.
Antwort der UNB am 26.1.2021

Der BUND Friedrichshafen hat nachgefragt, damit die Sache so gut es ging aufgeklärt wurde und damit eine Forstfirma, die so viele Kollateralschäden hinterlässt, keine Aufträge mehr für sensible Baum-Arbeiten bekommt.

Artikel in der Schwäbischen Zeitung

Artikel im Südkurier


LSG Lipbachsenke Feb. 2020 Foto: BUND FN, B.W.

Rodungen im Winter 2019/2020

Seit einiger Zeit wird in den Wäldern um Friedrichshafen sehr stark gerodet.

Dies liegt z.T. an den Borkenkäferschäden bei Fichten, z.T. am Eschensterben. Beide Baumarten müssen bei starkem Befall gefällt werden. Da v.a. Fichten in der Vergangenheit oft als Monokultur gepflanzt wurden, entstehen Kahlschläge.

Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit.
Ein weiterer Grund für die flächigen Kahlschläge ist der Einsatz von großen Maschinen, z.B. Holzvollernter oder großen Traktoren zum Rausziehen der Stämme. Um sie wirtschaftlich einsetzen zu können, werden auf einer Fläche alle oder so gut wie alle Bäume gefällt, auch die, die keine Schäden haben und deshalb stehen bleiben könnten.

Zudem verursachen diese großen und schweren Maschinen Schäden am Boden, die über Jahre sichtbar sind und den Boden in seiner Funktion beeinträchtigen.

Bodenschäden Großes Moos / Buchhölzle Feb./März 2020 Foto: BUND FN. B.W.

Der BUND Friedrichshafen schrieb Anfang 2020 Umweltmeldungen  an das Landratsamt bzw. das Umweltministerium zu unserer Meinung nach übertriebenen Fällungen:

LSG + NSG Lipbachsenke

Großes Moos + Buchhölzle

Der BUND Immenstaad schickte eine Umweltmeldung ans Landratsamt wegen Fällungen im SpeckholZ

Abb. LNV

Juristische Bewertung der Fällungen in der Lipbachsenke und im Großen Moos / Buchhölzle

Die Antworten der Unteren Naturschutzbehörde und der Forstbehörden finden wir unbefriedigend. Deshalb holten wir juristischen Rat bei IDUR ein.

Hier  unsere Fragen + die Antworten von IDUR
Leider sind viele Umweltgesetze Soll-Vorschriften und voller unbestimmter Rechtsbegriffe (z.B. "erheblich beeinträchtigt" - ab wie vielen vertriebenen Vögeln hat ein Eingriff erhebliche Folgen?). Dadurch kann sich eine Behörde oder ein Betroffener oft herausreden und für ein Gegengutachten fehlt uns das Geld.

Artenkataster Screenshot, Abb. Umweltabteilung der Stadt

Möglicher Ansatz für die Zukunft

Aus dem Email der IDUR-Juristin:
"Da der Land- bzw. der Forstwirt selbst nicht erkennen kann, ob sich der Erhaltungszustand bestimmter Populationen erheblich verschlechtert, ist die UNB in der Pflicht, die betroffenen Populationen zu beobachten und ggf. sog. Bewirtschaftungshinweise zu erlassen, an die sich dann die Forst- bzw. Landwirte halten müssen.
(...) dann müsste bei der UNB dokumentiert sein, welche Populationen in welcher Größe wo leben? Ab wann wäre der Erhaltungszustand verschlechtert? Gibt es diesbezügliche Bewirtschaftungshinweise, an die sich die Forstwirte zu halten haben?"
(ganzer Text oben bei HIER)

Bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Landratsamt gibt es keine Dokumentation der verschiedenen Tier- und Pflanzenpopulationen in unserer Region, obwohl es lt. der juristischen Aussage oben ihre Pflicht wäre. Deshalb kann sie auch nicht nachweisen, dass z.B. ein Kahlschlag die Population einer bestimmten Tierart beeinträchtigt.

Stattdessen hat die Umweltabteilung der Stadt begonnen, ein Artenkataster als Daten-Grundlage aufzubauen.
Unserer Ansicht nach unterstützt die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt dieses Vorhaben zu wenig, obwohl es eigentlich deren Aufgabe wäre.