Ortsgruppe Friedrichshafen

Streuobstwiese ade

01. Juli 2021

Am 22.2.2020 wurde an der Schmalholzstraße bei Unterraderach eine mehrere Hektar große Streuobstwiese mit vielen alten Bäumen gerodet und sofort zu Hackschnitzel und Asche "verarbeitet". Gegen die beiden Angeklagten wurde inzwischen ein Urteil erlassen.

Mehrere Hektar Streuobstwiese wurden im Morgengrauen des 22.2.2020 mit 8-10 Schleppern, Forstvollernter und 2 großen Häckslern  gerodet.

Streuobstwiesen sind die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. So eine große und weitgehend ungestörte Anlage zu roden, ist eine ökologische Katastrophe.
An den Baumstümpfen sah man, dass viele Stämme hohl waren, also aller Wahrscheinlichkeit nach von Fledermäusen uns höhlenbrütenden Vögeln bewohnt waren. Damit war es unserer Meinung nach ein Verstoß gegen § 44 BNatschG, denn der Besitzer hatte keine Genehmigung des LRA dafür. Der BUND Friedrichshafen und andere Naturschützer erstatteten Anzeige.

Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 29.2.2020

Artikel im Südkurier vom 4.3.2020

Es wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Gegen einen der Angeklagten wurde am 1.7.2021 vom Amtsgericht Tettnang ein Urteil erlassen: Der Landwirt habe, nach seiner Aussage als "Nachbarschaftshilfe", dem Besitzer geholfen, indem er die abgesägten Bäume mit Schlepper u.ä. zum Häcksler gefahren habe. Roder, Häcksler usw. seien vom Maschinenring Tettnang gewesen.
Der Anwalt des Angeklagten argumentierte, dass sein Mandant die Bäume nicht umgesägt = gerodet habe, er beantragte Freispruch für seinen Mandanten.
Das Gericht verurteilte den angeklagten Landwirt zu einer Geldstrafe, weil er als Landwirtschaftsmeister hätte wissen müssen, dass die Bäume Lebensraum für viele Tierarten sein können und damit die Rodung gegen das Gesetz verstößt.
Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, dass er heute nicht mehr bei sowas mitmachen würde und es täte ihm leid.

Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 3.7.2021
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Artikel im Südkurier vom 2.7.2021
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Das Verfahren gegen den Besitzer der Streuobstwiese fand auch statt (Datum unbekannt).
Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er keine Genehmigung für die Rodung hatte.

Die Untere Naturschutzbehörde legte folgende Auflagen zum Ausgleich des ökologischen Schadens fest:
- Pflanzung von 225 neuen Hochstammobstbäumen auf über 4 ha Fläche (teilweise auf der gerodeten Streuobstwiese).
- Pflege dieser Bäume für 10 Jahre auf eigene Kosten, erst danach kann ein Zuschussantrag gestellt werden.
- Anbringen von Vogel- und Fledermauskästen auf eigene Kosten.

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